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  • Isabelle Wyss

Sonnengruss und seine Wirkung analysiert

Aktualisiert: 25. Mai





Der Sonnengruss kann mal kraftvoll dynamisch sein, oder auch ganz entspannt und ruhig. Aus gesundheitlicher Sich betrachtet, lohnt es sich, dem Sonnengruss ein besonderes Augenmerk zu richten. Wird der Sonnengruss dynamisch durchgeführt, ist der Uebergang von einer Position in die andere oft schnell. Dieser intensive Wechsel von Dehnung und Kräftigung der dynamischen Variante ist sowohl körperlich wie auch geistig herausfordernd. Diese Art des Uebens kann uns lehren, von Stresssituation schnell zur Ruhe zu kommen. Unabhängig für welche Variante man sich entscheidet, fördert der Sonnengruss das Verdauungssystem, die Konzentrationsfähigkeit und unterstützt das Selbstvertrauen. Dies sind Eigenschaften, die eine gute Voraussetzung schaffen, um ein erfolgreiches und glückliches Leben führen zu können. Die Frage nach dem „wie oft den geübt werden soll“ - beantworte ich mit: „je regelmässiger desto besser“. Mal können es 3 Runden sein, mal 6 und gelegentlich sogar mehr.


Eine weitere positive Eigenschaft kommt beim regelmässigen Ueben dazu. Nämlich jene der Selbstdisziplin. Der durch das regelmässige Ueben entstehende Rhytmus stabilisiert und aktiviert innere Kräfte. Dies wiederum belohnt uns mit einem guten Gefühl, welches seinerseits motiviert, dran zu bleiben und weiter zu üben. Womit eine weitere positive Eingenschaft erreicht wird - nämlich jene der Selbstwirksamkeit.


Beim Sonnengruss geht es darum, die Körpersäfte in Schwung zu bringen, die Energie zum fliessen zu bringen und den gesamten Körper zu bewegen. Die Wirbelsäule wird in verschiedenen Richtungen gedehnt und gedreht und unsere Beine und Arme leisten dabei einen wichtigen Beitrag.


Auch aus sportphysiologischer Sicht erfüllt der Sonnengruss die Bedinung eines §§gesunden Bewegungsblaufs. Eine Bewegung ist dann gesund, wenn sie folgende 2 Aspekte beinhaltet:


1. Angemessenheit

Dies ist dann gegeben, wenn die Uebung sich gut anfühlt d.h. weder zu schwer noch zu einfach ist (z.B. wenn ich von der Vorbeuge ins Brett springe, kann dieser Uebergang für Ungeübte problematisch sein. Die leichte Erschütterung ist zwar gut für den Körper, aber nur dann, wenn die Kraft vorhanden ist, um den Sprung abzufedern.

Sobald du eine gezielte Vorstellung der Bewegung hast, tendiert sie dazu, nicht angemessen zu sein.


2. Vielseitigkeit

…. ist dann gegeben, wenn verschiedene Körperhaltungen eingenommen werden. Heute weiss man, dass ein aufrechter Sitz, wenn er den ganzen Tag gehalten wird, genauso schädlich ist, wie ein langgehaltener Runderücken. Mit anderen Worten: alle Positionen sind gut, solange man sich nicht nur für eine entscheidet. Der Sonnengruss mit seinen verschiedenen Asanas gewährleistet diese Vielseitigkeit.


Wer es lieber sportlich mag, sollte darauf achten, verschiedene Sportarten auszuüben, um die Vielseitigkeit zu gewährleisten. Sportarten - wie Tennis, Golf, Fahrradfahren, Jogging usw. gelten als einseitig.


Der Sonnengruss auf die obigen Aspekt hin analysiert, erfüllt alle Kriterien. Geht man noch etwas tiefer ins Detail, dann lässt sich diese VIELSEITIGKEIT weiter in 4 körperlichen Grundfertigkeiten aufteilen. Der Sonnengruss erfüllt sogar deren 6):


1. Kraft

Krafttraining ist gesundheitsfördernd und stärkt das Herz. Zudem hilft es gegen Depressionen, Uebergewicht, Haltungsschäden, hoher Blutdruck u.n.v.m. Der Sonnengruss mit seinen verschiedenen Uebergängen entspricht einem leichten Krafttraining (Arme hoch, Brett, tiefes Brett, Kobra, Hund…). Der gesundheitliche Effekt entsteht beim Beansspruchen der Grundfertigkeit, d.h. wenn die Muskeln beansprucht werden. Dies reicht um den Körper gesund zu halten. Es ist nicht das Ziel, Bodybuilder zu werden.


2. Flexibilität / Beweglichkeit

Dies ist ebenfalls Bestandteil des Sonnengrusses, Vorbeuge, Rückbeuge, Twist, Seitlicher Winkel…. Nach dem Sonnengruss haben sehr viele Muskeln & Faszien eine Dehnung erfahren. Dadurch resultiert eine ganzheitliche Entspannung, die Verkrampfungen löst, den Blutdruck senkt und bei Depressionen hilft. Auch hier geht es nicht darum, die Füsse hinter die Ohren zu bringen, sondern es geht um die Erfahrung einer persönlichen Dehnung und Entspannung während des Uebens.


Nur Dehnung oder nur Krafttraining wäre wiederum zu einseitig, da die Balance der beiden Aspekte fehlen würde.


3. Ausdauer

Studien belegen, dass das Ueben des Sonnengrusses ähnliche Wirkung hat, wie das Ueben eines leichten Dauerlaufes. Er wirkt sich positiv auf das Herz-/ Kreislaufsystem aus, wirkt Krebspräventiv, da Ausdauertraining oxidativen Stress reduziert. Auch hier gilt der Aspekt „gesund“ nur dann gesund, wenn die obigen beiden Aspekte miteinbezogen sind. Nur Ausdauertraining kann den Körper und sein Immunsystem überfordern.


4. Koordination

Koordinationsübungen verändern die Verbindungen im Gehirn. Neue Nervenbahnen (Synapsen) werden gebildet, was wiederum gegen Depression hilft. Im Yoga werden oft Arme und Beine gleichzeitig bewegt, manchmal das recht Bein und der linke Arm. Wenn die Uebungen genügend oft gemacht werden, fällt es leicht zu folgen. Kommen neue / unbekannte Asanas hinzu, bei denen viel Konzentration erforderlich ist, um sie auszuführen, stellt dies erstmals eine Herausforderung dar. Wurde diese erfolgreich gemeistert, stellt sich ein Glücksgefühl ein und zugleich entstehen neue neuronale Verbindungen. Das Gehirn hat dazugelernt.


Bewegungen von vorne nach hinten, von oben nach unten, seitliche Bewegung - all dies fördert die Orientierung im Raum und die Körperwahrnehmung. Dies wiederum fördert sowohl Koordination als auch Konzentration.


5. Elastizität

… ist unabhängig von Kraft und Flexibilität. Ein ausgeleierter Gummi ist sehr dehnbar, ein starrer Gummi ist sehr stark. Elastizität ist das dazwischen. Es ist die Fähigkeit des Muskels, sich bei Bedarf auszudehnen, dann aber wieder in die Ursprugsposition zurückkehren. Also zu federn zwischen lang und kurz. Im Yoga wird diese Eigenschaft immer wieder gefordert. Dann z.B. wenn von der Berghaltung in den Lange gewechselt wird, von da in den Krieger, dann ins Brett, von der Kobra zum Hund und zurück zur Vorwärtsbeuge.


6. Entspannungsfertigkeit

Dies ist die Fertigkeit loszulassen. Auch dies wird mit dem Ueben des Sonnengruss gefördert. Denn im Anschluss an eine Yogasequenz (und sei es „nur“ der Sonnengruss - folgt idealerweise immer ein kurzes (oder auch gerne längeres) Savasana (Tiefenentspannung). Diese letzte Körperübung (Asana) sollte auf keinen Fall weggelassen werden. Sie ist vergleichbar mit dem Speichern einer Arbeit auf dem Computer. Alles was mit dem Sonnengruss in Bewegung gekommen ist, kann mittels Savasana losgelassen bzw. gefestigt werden. Du gibst deinem Körper und deinem Geist die Zeit, alle verbleibende körperliche wie auch geistig/mentale Verspannungen loszulassen bzw. zu verarbeiten. Zudem stellst du mit Savasana ein Gleichgewicht zwischen Aktivität (Sonnengruss) und Passivität (Savasana) her.


Gerne schliesse ich diesen Blog mit folgendem Zitat ab:

“Beim Yoga geht es nicht darum, auf dem Kopf zu stehen, sondern mit beiden Füssen fest auf dem Boden„.

Und zum Schluss hier noch eine koordinative Aufgabe:

„Versuche stehend- ohne Hilfe der Hände - dich auf den Boden hinzusetzen und dann wieder - ohne Hilfe der Hände - aufstehen.„




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